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Auszug aus dem Roman
Frierkind
Eichborn Verlag 2005
Wie die andern sein, dachte Max. Nicht anders als die ganzen andern sein. Da
gab es Konventionen, wusste er. Schöne Konventionen. Jeden Abend dasselbe
Mädchen küssen. Jeden Morgen Pausenbrot essen. Wochenenden im Sonnenschein.
Mit den eigenen Bälgern an der Hand, die Jahr für Jahr aus seinem Schoß
flutschen würden. Bildschöne Konventionen. Seine Mutter hatte ihn gelehrt,
sie weder ein- noch auszuhalten. Aber sie begleiteten sein Leben. Ob Traum
oder Wirklichkeit. Feindbild oder Zielgerade. Mit der Konvention kannte er
sich aus. Man konnte sich gut hinter ihr verstecken, wusste Max. Unsichtbar
sein. Das war eine Vorstellung. Max sah aus dem staubigen Fenster.
Verdammter Sommer. Knallte einfach jeden Tag mit der gleichen Wucht ins
Fensterloch. Jeden Tag. Von morgens bis abends. Einfach so. Warum konnte es
diesen Sommer nicht regnen? Solange es regnete, wusste er, kam alles wieder
in Ordnung.
Copyright Eichborn Verlag 2005
online: www.eichborn.de
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