a r n e_n i e l s e n


Auszug aus den Erzählband
Donny hat ein neues Auto und fährt etwas zu schnell

Liebeskind Verlag 2004

Donny hatte vor, sich ein Auto zu kaufen. Während der Fahrt zum Autohändler gab ich ihm ein paar Ratschläge, worauf er so zu achten habe. Er solle sich einen kleinen Japaner kaufen, sagte ich ihm, der würde am besten zu ihm passen. Der Autohändler, den sich Donny ausgesucht hatte, arbeitete in einem Betonhaus hinter dem Supermarkt. Autos sah ich auf dem Gelände keine. Nachdem Donny ausgestiegen war, fuhr ich direkt wieder nach Hause, denn es wurde dunkel, und ich fahre ungern im Dunkeln.
Wie gesagt, Donny und ich sind Freunde, und als er anrief und mich fragte, ob ich eine Runde mit ihm drehen wolle, war ich natürlich sofort dabei. Meine Frau und ich lagen gerade hinterm Haus auf dem Rasen, als er mit dem neuen Wagen vorbeikam. "Das wird Donny sein", sagte ich, als das Motorengeräusch in der Auffahrt verstummte. Ich ging ins Haus und sah durch das Küchenfenster einen schwarzen Wagen mit getönten Scheiben. Tiefergelegt und mit breiten Reifen. Donny hatte sich einen schnellen Wagen geholt, soviel war klar. Bevor ich das Haus verließ, schaute ich in den Spiegel.
"Mensch, Donny, du machst Sachen", sagte ich laut, ging zum Auto und klopfte auf das Dach. "He, bist du da drin?" Da ich nichts erkennen konnte, beugte ich mich näher an die Scheibe. Das einzige, was ich sah, war mein eigenes Gesicht. Ich sah wütend aus. Noch einmal klopfte ich auf das Dach, diesmal etwas heftiger. "Donny, komm schon", rief ich. Doch dann hörte ich ihn plötzlich hinten im Garten lachen. Er lachte, und meine Frau lachte auch. Also ging ich wieder ins Haus zurück und nahm einen großen Schluck Limonade. Ich wartete einen Moment, bevor ich in den Garten hinausging. Die beiden lachten immer noch.
"Donny, hier steckst du also. Da hätte ich ja lange warten können." Jetzt lachte auch ich.
Auf der Bank zwischen Donny und meiner Frau stand ein kleiner Käfig. In dem Käfig lag ein Huhn. Das Tier bewegte sich nicht. Donny zwinkerte mir zu und meine Frau schaute mich erwartungsvoll an. Es war klar, daß irgend etwas in der Luft lag.
"Mensch Donny, das wäre doch nicht nötig gewesen", sagte ich ging vor dem Käfig in die Hocke. Ich ließ mir nicht anmerken, daß ich etwas überrascht war.
"Es schläft", sagte Donny.
"Ja", sagte meine Frau und schaute an mir vorbei in Richtung Haus.
"Kommst du auch mit?" fragte er beiläufig meine Frau.
"Du bleibst hier", sagte ich zu ihr und folgte Donny.

Copyright Liebeskind Verlag 2004


online: www.liebeskind.de

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