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Wenn man böse Feen ihrer Glasknochen wegen hänselt
Wenn man böse Feen ihrer Glasknochen wegen hänselt, muss man sich nicht wundern, über Nacht per Fluch von noch übleren Gebrechen ereilt zu werden. Dass dabei aber auch die Frage des persönlichen Umgangs eine entscheidende Rolle spielen kann, lag für mich weniger sichtbar auf der Hand, wie ich auch nicht ahnen mochte, wie viele meiner Bekannten tatsächlich ab und an bis regelmäßig des Hänselns böser Feen ihrer Glasknochen wegen bezichtigt werden müssen. Mein Arzt gab mir da den erhellenden Hinweis. Als ich bei ihm wegen flauer Gefühle im Körpergebälk vorsprach und er sogleich "Gasknochen, Frühstadium" diagnostizierte, fügte er hinzu, dass derlei nicht selten auftrete und die Betroffenen zumeist völlig unvorbereitet träfe, da man sich nicht zur Gasknochenrisikogruppe zähle, wo doch der einzige bekannte Übertragungsweg dieser Krankheit der Fluch einer verstimmten Fee sei, die auf diese Weise etwas fadwortwitzig klarmachen wolle, dass sie der ewigen Hänseleien ihrer Glasknochen wegen überdrüssig ist. Nun sei es aber keinesfalls so, so mein Arzt, dass sich allein der Hänselnde dem Risiko eines Gasknochenfluchs aussetzt, nein, durch die von Glasknochenbrüchen derangierte Motorik der fluchaussprechenden Feen käme es permanent zu eklatanten Fehlschüssen, so dass es gerade nicht die anvisierte Person des Hänslers erwische, sondern Unbescholtene, die sich völlig ahnungslos zum ungünstigsten Zeitpunkt in der Nähe einer böse-Feen-ihrer-Glasknochen-wegen-hänselnden Person aufhielten. Und so wäre das wohl bei mir gewesen.
Das flaue Gefühl im Körpergebälk fand bald seine Erfüllung im Aggregatszustandswandel von Calciumknochen zu Gas. Wenn dann das Bindegewebe nicht richtig mitspielt (und wann spielt das Bindegewebe schon richtig mit?), wenn dann das Bindegewebe schlapp macht wie bei mir, drückt die Hautlast der oberen Körperpartien das Knochengas in die schlaffen Hautlappen der unteren Körperregionen, die sich alsbald horizontal ausweiten und breitflächig ausquellen - bis bei einer Körpergröße von etwa 3 Zentimetern ein physikalisches Gleichgewicht zwischen Verdichtung des Knochengases und Schwerkraft der darüber liegenden Haut gefunden ist. Drei Zentimeter Körpergröße - das mag mickrig klingen, an Breite nimmt man dabei jedoch enorm zu. So verteilte sich mein Körper mit einem Schlag komplett über meinen nicht unbedingt kleinen Schlafraum sowie ein gutes Drittel meiner Wohnküche. "Deine 35 Quadratmeter dürftest Du jetzt haben," schätzte meine Freundin und wurde in ihrer Einschätzung nur geringfügig nach unten korrigiert von meinem Arzt. Man trampelt viel auf mir herum, seit ich so breit und flach bin, stiefelt über meine Schulterblätter, um meine Lungen abzuhorchen und auch meine Freundin schlägt ja jeden Morgen den Weg quer über meine rechte Gesichtshälfte ein. Als direkte Linie zwischen Schlafcouch und WC bietet sich das ohne Zweifel an - aber jeden Morgen, halb sieben, immer der Nase lang... Da ist natürlich nicht viel mit ausschlafen.
Vor wenigen Morgen gähnte ich derart aus dem Schlaf gerissen, einen Schlund von rund zweieinhalb Metern, in den die Gute prompt hineintappte und von mir im Schreck verschluckt wurde. Was an sich als schlimme Tragödie gelten mag, wirkte sich auf die Genesung meiner Gasknochen doch recht günstig aus: Der verschluckte Körper meiner Freundin gab meinem ungestalten Körperfladen seine Kontur wieder, richtete ihn auf, schlüpfte instinktiv in die passenden Gliedmaßentunnel und da stand ich wieder und begrüßte den Tag als neuer Mensch.
Selbst meine Freundin genießt die neue Situation, hat sie doch als das stützende Gerüst meines Körpers diverse Einflussmöglichkeiten, mein Umherstreifen in der Welt auf ihr genehme Bahnen zu lenken. Und so muss man sich erklären, dass ich mich dann und wann seltsam verhalte, in mir fremd bleibende Kinofilme renne, Dinge wie Kiba an der Theke ordere und zum Fahrradfahren keinen Rock trage.
"Schade, das mit dem Rock hätte ich eigentlich gerne gesehen," meint mein neuer, dreieinhalb Zentimeter großer Zahnarzt, zu dem ich jüngst aus Solidarität gewechselt bin. Wenn der mich mit: "Schmerzen oder nur mal nachgucken?" begrüßt, da weiß ich eigentlich nie, wie ich mich entscheiden soll. Aber das ist ´ne ganz andere Geschichte ...
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