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Die elementaren Dinge des Lebens
Brot:
Meine Großmutter legt den Laib Brot wie ein Kind an die Brust. In gleichmäßigen Sägebewegungen zieht sie das Küchenmesser durch das Bauernbrot zu ihrem Körper hin. Die schlaffe Haut an ihrem Oberarm schwingt im Takt dazu. Hin und her tanzt die Schneide, immer näher auf ihr geblümtes Hauskleid zu. Im letzten Moment löst meine Großmutter die Schnitte vom Laib.
Meiner Großmutter kann nichts passieren.
Und dann ist sie doch gestorben.
Fahrräder:
Fahrräder sind wie die Freiheit. Mit meinem ersten Fahrrad radelte ich solange, bis ich meine Mutter nicht mehr hören konnte. Später versuchte ich denselben Trick mit dem Nachbarsjungen.
Sein Fahrrad war schneller als meins.
Als er mich erwischte, war ich außer Hörweite meiner Mutter.
Socken:
Ursprünglich weiße, jetzt rostrote Socken, aus denen Ziegelmehl vom Tennisplatz rieselt.
Socken in schwarz, dunkelgrau, anthrazit, graphit, nachtblau, die zusammengeknüllt unter dem Sofa liegen, unter dem Bett, unter dem Heizkörper, neben der Kloschüssel, neben dem Wäschekorb, wie die Markierungen eines Hundes.
Jetzt sind sie verschwunden.
Zusammen mit meinem Sohn.
Jetzt schneide ich das Brot. Es ist kein Bauernbrot und ich benutze eine Brotschneidemaschine.
Messer:
Messer sind Gebrauchsgegenstände. Man kann damit Stullen schmieren. Man kann die Klinge sanft in einen Geburtstagskuchen eintauchen lassen und eine halbe Minute Glück abtrennen. Man kann damit aber auch Fischen den Bauch aufschlitzen. Man kann damit Sockenträgern Äpfel schälen und in Schnitze schneiden, oder damit das Steak, das ihnen zu zäh, oder zu blutig, oder nicht blutig genug vorkommt, auf das Holzbrett nageln.
Cafés:
Zuerst gab es dort nur Frauen mit beigen Schuhen und Blusen mit Schleifen, die sich mit ihren Freundinnen um einen Tisch scharten.
Die haben's gut, sagte ich und hastete vorbei, mit meinem Einkaufswagen, meiner Liste, die erst halb abgearbeitet war, meinem Regenschirm und meinem Kind, für das ich keine Hand mehr frei hatte.
Dann kamen die Mütter mit ihren fast erwachsenen Kindern.
Die haben's gut, sagte ich und ging vorbei, dachte an die Socken, die ich nur noch einmal im Jahr waschen musste und ließ meine arbeitslos gewordene Hand in die Manteltasche gleiten.
Seit kurzem tragen die Cafébesucher T-Shirts und die Haare zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden, Männer wie Frauen. Sie trinken Kaffee aus Gläsern und sprechen in aufklappbare Telefone.
Die haben's gut, sage ich und bleibe stehen, denn jetzt habe ich Zeit. Ich seufze.
Ich habe Zucker.
Und ich hasse Spritzen.
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