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LOVE, ANNA (ein Auszug)
Anna spricht schnell, verhaspelt sich, stolpert über die Worte, die in ihrer
Kehle direkt neben der Angst sitzen, fängt noch einmal von vorne an:
"Aber manchmal, da habe ich so eine Angst, dass es jetzt doch die letzte
Chance ist. Und dass alles, was danach kommt, nur noch schlimmer wird, und
deshalb nehme ich lieber das, was ich kenne. Weil, ich weiß ja nicht, ob es
besser wird, denn wahrscheinlich wird es nur schlimmer. Ich brauche eh immer
jemanden, den ich toll finden kann, und ich war gerade so gelangweilt, und
dann habe ich ihn gesehen, und ich dachte mir, den könnte ich jetzt süß
finden, dann würde endlich wieder was passieren. Und er war auch ganz toll
und so. Also, nicht so mit roten Rosen, aber irgendwie war er halt süß. Hat
keine Spielchen gespielt. Wenn wir miteinander schlafen, dann sind wir auch
zusammen. Das war klar."
"Hat er Schluss gemacht?"
"Er ist einfach weg. ...Aber er hat mich auch nie gefragt. Hat nie gesagt:
'Sag mal, wie ist das bei dir, willst du mit mir zusammen sein?' Ist
einfach davon ausgegangen und ich hab dann auch nicht Nein gesagt, weil ich
dachte, was Besseres kriegst du nicht. Oder zumindest ist es etwas, worüber
ich nachdenken kann und womit ich mich beschäftigen kann. Einfach
irgendetwas, was mich so am Leben hält."
Anna greift zu der bunten Holzdose vor ihr auf den Couchtisch und fängt an,
einen Joint zu bauen.
"Der kommt schon wieder."
Plötzlich hat sie Tränen in den Augen sie hat noch nie geweint. Nicht
wegen ihm.
"Ja, ich weiß. Er kommt auch wieder. Er kommt immer wieder. Ich bin es so
leid. Soll er doch mal weg bleiben. Dann müsste ich mich nicht entscheiden."
Und leise fügt sie hinzu: "Nicht länger warten."
Auf der anderen Seite der Leitung bleibt es still. Sie zündet sich den Joint
an und zieht. Ihr Blick fällt auf seine Playstation.
"Die würde er bestimmt nicht hier lassen."
"Was?"
"Ach, nichts. ... Und auf einmal habe ich hier gesessen und ich weiß gar
nicht, ob ich das jetzt will. Ich bin immer noch hier und es wird nicht
besser. Es gibt auch nichts mehr zu tun. Und es geht auch gar nicht mehr um
ihn oder um mich. Wir sind einfach da, aber ob wir da sind oder nicht, macht
doch gerade gar keinen Unterschied. Es ist so als ob wir vergessen zu atmen.
Das ist nicht schlecht und nicht gut, es ist einfach, wie es ist."
Abrupt hört sie auf zu reden. Eine Weile hören sie und die Frau am anderen
Ende einander beim Atmen zu.
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