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27.11.2005
KAFFEE.SATZ.LESEN 25
Ina Bruchlos |
Michael Hasenfuß
Nico Kratzer |
Xochil A. Schütz |
Rene Harder
Trübsal blasen im Novembergrau? Stimmungstief und Frostbeulen? Zur 25sten Ausgabe von KAFFEE.SATZ.LESEN präsentiert die redereihamburg e.V. gleich fünf Stimmungsaufheller mit erfreulichen Nebenwirkungen:
Ina Bruchlos, *1966
begeisterte das KAFFEE.SATZ.LESEN-Publikum im Mai nachhaltig und riss es zu Beifallsstürmen und Zugabe-Rufen hin. An diesem Nachmittag saß auch ein Verleger in der Baderanstalt. Jetzt kehrt Ina Bruchlos zurück, im Gepäck ihren ersten Erzählband: "Nennt mich nicht Polke" heißt ihr wunderbares, höchst komisches Debüt (Nachttischbuch-Verlag, 120 Seiten, Taschenbuch, 14,80 Euro. Mit zahlreichen Zeichnungen der Designerin Ina Bruchlos).
In ihren "Kurzen Erzählungen" öffnen sich Abgründe, in die der Leser lachend sieht. Eine ihrer gewitzten und selbstironischen Geschichten handelt davon, dass man Anderen gerne Etiketten anhängt, um sie gerade deswegen abzulehnen. Das ist ungerecht. Und es wäre umgekehrt auch nicht gerecht, den Redeschwall und die Schreibschärfe der Erzählungen von Ina Bruchlos oder die Absonderlichkeiten der von ihr geschilderten Situationen mit denen von Thomas Bernhard, Hanns-Dieter Hüsch, Ingomar von Kieseritzky oder Eckhard Henscheid zu vergleichen.
Michael Hasenfuß, *1965
Der Schauspieler und Autor lebt in Zürich. Er spielte an verschiedenen Stadttheatern und jahrelang beim "Hamburger Jedermann", aber auch in der Werbung, zuletzt den Jever-Mann, der als erfolgreicher Unternehmer hinterm Deich dem Biergenuss nachgeht. Hasenfuß schreibt seit 1996 Balladen klassischen Ausmaßes, allerdings mit wenig antikem Personal: Da kämpft ein Perlhuhn mit Hilfe eines mordenden Papageis um seine Ehre, da zieht Ritter Waldemar ins Heilige Land, um Brezeln für den Heiland zu erwerben und Oma Kroll sprengt den Erdball in die Luft, weil im Altenheim nix los is'. Michael Hasenfuß dichtet über Mensch und Tier, die allesamt nicht ganz dicht sind. Im Juli wurden die Balladen erstmals veröffentlicht (Michael Hasenfuß: Schrabbelgereimte Balladen vom Scheitern, Nachttischbuch-Verlag, 108 Seiten, Taschenbuch, 14,80 Euro. Mit zahlreichen Illustrationen von Vandam).
Nico Kratzer, *1974
ist Kopf der Hamburger Band "Ich jetzt täglich", die im Mai ihr erstes Album "Stilfragen" veröffentlicht hat. Kratzer spielt, unplugged und solo, Songs aus dem Album. Ich Jetzt Täglich bedient sich schamlos der Gefühlsorgel, die uns täglich über Radio und Fernsehen bedudelt. Die Musik ist eine akustisch-elektrische Bluesform, die in deutscher Sprache mal ironisch, mal archaisch die Welt beschreibt. Inbrünstig vorgetragene Banalitäten werden zu tragischen Phrasen, vermeintliche Paradiese verwandeln sich in Dienstage. Traumatisiert vom Alltag werden die kleinen Dinge des Lebens besungen. Dazu gehört der Sonnenaufgang am Meer, der den Betrachter dreist ins Gesicht blendet. Oder der Ausflug ins Nachtleben mit zermarternden Stilfragen, die sich der Discobesucher in Anbetracht der vielen Gäste und deren Gestaltungswillen stellt. Vertont werden der Hamburger Winter und der zarte Sommer, der die Menschen zum Sitzen auf dem warmen Asphalt einlädt. Musiktherapie gegen den November-Blues.
René Harder, *1971
ist in Konstanz geboren und aufgewachsen. Nach Schauspiel- und Regiestudium am Staatlichen Institut St. Petersburg (Russland) folgte ein Studium der angewandten Theaterwissenschaften in Giessen (bei Heiner Goebbels und Jean-Marie Straub) und der Abschluss als Diplom-Regisseur am Institut für Theater, Musiktheater und Film der Uni Hamburg (Jürgen Flimm, Christof Nel, Wolfgang Engel u.a)
Seit 1998 ist Harder als Regisseur, Autor und Schauspieler an verschiedenen Theatern in Hamburg, Görlitz und Leipzig tätig. Er arbeitet auch für Fernsehen und Leinwand und war in verschiedenen TV-Produktionen wie Großstadtrevier, Die Wache, Die Rettungsflieger, Lindenstraße (Episodenhaupt- und Nebenrollen) und anderen Serien, sowie zahlreichen Kinokurzfilmen zu sehen. Als Autor und Regisseur inszenierte er zuletzt in Görlitz die Stücke "Der Gottesacker blüht" und "Perdu" sowie das begehbare Hörspiel "Geh-Hör-Gang".
Der Wahlhamburger und Familienvater erzählt bei KAFFEE.SATZ.LESEN von einem Hamburger Mieterschicksal: "Briefe an den Mieter" basiert auf wahren Dokumenten und erzählt die Geschichte einer Familie, die dem Wahn ihrer Vermieterin ausgesetzt wird.
Xochil A. Schütz, *1975
ist weit gereiste Autorin und Performance-Poetin. Neben zahlreichen Lesungen und Poetry-Shows in ganz Europa, Auftritten in Funk und Fernsehen (u.a. ZDF-Lyriknacht), kann sie auf eine beachtliche Zahl von Preisen, Veröffentlichungen und Stipendien zurückblicken. Jetzt lebt sie gerade mal in Hamburg und schreibt an ihrem ersten Roman. Und bevor sie wieder weg ist, haben wir sie schnell für einen Auftritt verpflichtet, denn was die Presse über Xochil A. Schütz zu berichten weiß, macht neugierig:
"sanft wie eine Brise im Sommer und stürmisch wie Meereswind" (taz)
"Sahne in der Stimme und Sex in den Zeilen" (Ostschweizerinnen)
"die Lust am Sex wurde zu Lust am Wort" (Neue Luzerner Zeitung)
"sehr ästhetisch-poetische Sprache" (Südkurier)
"Virginia Woolf im Tank-Girl-Style" (Schädelspalter)
Xochil A. Schütz - Alsternacht und online
Sonntag, 27. November 2005
Baderanstalt, 16:00 Uhr
Hammer Steindamm 62
neben S-Bahn Hasselbrook
im Hinterhof, 5. Stock
5 Euro.
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